AGEs im Hundefutter: Das unsichtbare Gift, das Lebenszeit kostet - Howly Bowly

AGEs im Hundefutter: Das unsichtbare Gift, das Lebenszeit kostet

15. Mai 2026

Advanced Glycation End Products (AGEs) entstehen bei der Hochtemperaturverarbeitung von Hundetrockenfutter und fördern chronische Entzündungen, die zu Niereninsuffizienz, Arthrose, Diabetes und Krebs führen können – schonend bei 90 °C gegartes Frischfutter enthält laut der Pignataro-Studie (2024) bis zu 120 Prozent weniger dieser Schadstoffe und mehr als doppelt so viel bioverfügbares Lysin. Für Hundehalterinnen und Hundehalter bedeutet das: Nicht die Zutatenliste, sondern die Verarbeitungstemperatur entscheidet maßgeblich über die Futterqualität und kann laut Studiendaten mit bis zu 32 Monaten längerer Lebenserwartung korrelieren.

Kernaussagen

  • Extrudiertes Trockenfutter wird bei bis zu 250 °C hergestellt, wodurch große Mengen schädlicher Advanced Glycation End Products (AGEs) entstehen, die über den RAGE-Rezeptor chronische Entzündungen im Hundekörper auslösen.
  • Frisch bei 90 °C gegartes Hundefutter liefert laut der Pignataro-Studie (2024) mehr als doppelt so viel bioverfügbares Lysin wie hochtemperaturverarbeitetes Trockenfutter – bei gleichzeitig drastisch reduzierter AGE-Belastung.
  • Die kumulative tägliche AGE-Aufnahme über Jahre hinweg ist besonders gefährlich, da Hunde – anders als Menschen – meist ein und dasselbe Futter ohne Abwechslung erhalten.
  • Weder ein hoher Preis noch Premium-Marketing garantieren niedrige AGE-Werte im Hundefutter – der entscheidende Faktor ist ausschließlich die Verarbeitungstemperatur.
  • Die beobachtete Korrelation von 32 Monaten längerer Lebenserwartung bei frisch gefütterten Hunden ist biologisch plausibel, bedarf jedoch weiterer kontrollierter Langzeitstudien zur Bestätigung eines kausalen Zusammenhangs.

32 Monate mehr Lebenszeit – wie eine Studie die Hundeernährung auf den Kopf stellt

Stell dir vor, du könntest deinem Hund fast drei zusätzliche Jahre schenken – drei Jahre voller Spaziergänge, Kuschelabende und gemeinsamer Abenteuer. Genau das legt eine viel diskutierte Untersuchung nahe, die 2024 in der veterinärmedizinischen Fachwelt für Aufsehen gesorgt hat. Doch was steckt wirklich hinter dieser Zahl? Und wie belastbar sind die Ergebnisse? Wir schauen uns die Studie genau an – ehrlich, transparent und mit dem nötigen wissenschaftlichen Kontext.

Was die Pignataro-Studie konkret untersucht hat

Die Studie von Pignataro und Kollegen wurde 2024 im Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition veröffentlicht – einer angesehenen, peer-reviewed Fachzeitschrift, in der Beiträge vor der Veröffentlichung von unabhängigen Wissenschaftler:innen geprüft werden. Das Forschungsteam analysierte insgesamt 41 kommerziell erhältliche Hundefutterprodukte unterschiedlicher Kategorien: klassisches Trockenfutter, Nassfutter aus der Dose, gefriergetrocknetes Futter und frisch gekochte Mahlzeiten.

Im Fokus standen dabei zwei zentrale Fragen: Wie stark unterscheiden sich diese Futterarten in ihrer chemischen Zusammensetzung – insbesondere hinsichtlich sogenannter Advanced Glycation End Products und der Verfügbarkeit essenzieller Nährstoffe? Und welche Auswirkungen hat die Verarbeitungstemperatur auf die Qualität des Endprodukts?

Die Ergebnisse waren deutlich: Futterprodukte, die bei hohen Temperaturen von über 200°C hergestellt wurden – wie es bei der Extrusion von Trockenfutter üblich ist –, enthielten signifikant höhere Mengen an schädlichen Maillard-Reaktionsprodukten. Frisch zubereitetes Futter, das schonend bei rund 90°C gegart wurde, schnitt in allen untersuchten Parametern besser ab. Besonders auffällig: Die Bioverfügbarkeit von Lysin, einer essenziellen Aminosäure, die dein Hund nicht selbst herstellen kann, war bei frisch gekochtem Futter mehr als doppelt so hoch wie bei hochverarbeitetem Trockenfutter.

Ergänzend zu diesen Laboranalysen wird die Studie in der Fachwelt mit Daten zur Lebenserwartung in Verbindung gebracht. Die zentrale Aussage: Hunde, die überwiegend frisch zubereitetes Futter erhalten, leben im Durchschnitt 32 Monate länger als Artgenossen, die ausschließlich mit industriell hochverarbeitetem Futter ernährt werden.

32 Monate in Perspektive: So gravierend ist der Unterschied wirklich

Um diese Zahl einzuordnen, hilft ein Blick auf die durchschnittliche Lebenserwartung unserer Vierbeiner. Je nach Rasse und Größe leben Hunde im Schnitt zwischen 10 und 13 Jahren. Bei einem mittelgroßen Hund mit einer Lebenserwartung von etwa 12 Jahren entsprechen 32 zusätzliche Monate – also knapp 2,7 Jahre – einer Verlängerung der Lebensspanne um rund 22 Prozent. Das ist enorm. Zum Vergleich: Übertragen auf ein durchschnittliches Menschenleben wäre das so, als würdest du durch eine einzige Ernährungsumstellung über 17 zusätzliche Lebensjahre gewinnen.

Diese Größenordnung deckt sich interessanterweise mit anderen Langzeitstudien. Die bekannte Purina Life Span Study, die über 14 Jahre an Labrador Retrievern durchgeführt wurde, zeigte bereits, dass Hunde mit kalorienkontrollierter, nährstoffreicher Ernährung im Schnitt knapp zwei Jahre länger lebten als ihre normal gefütterten Artgenossen. Der Mechanismus dort war primär die Vermeidung von Übergewicht und chronischen Entzündungen – ein Muster, das sich auch in den Erkenntnissen rund um die Pignataro-Studie wiederfindet.

Doch so beeindruckend diese Zahlen sind – und so sehr sie uns als Hundeeltern Hoffnung machen –, ist wissenschaftliche Ehrlichkeit hier entscheidend. Die 32 Monate beschreiben eine Korrelation, keine bewiesene Kausalität. Das bedeutet: Die Daten zeigen einen starken Zusammenhang zwischen Frischfütterung und längerer Lebenszeit, aber sie beweisen nicht zweifelsfrei, dass allein das Futter die Ursache ist. Es ist denkbar, dass Halter:innen, die frisch für ihre Hunde kochen oder hochwertiges Frischfutter wählen, insgesamt gesundheitsbewusster mit ihren Tieren umgehen – regelmäßigere Tierarztbesuche, mehr Bewegung, aufmerksamere Pflege. Solche Faktoren können das Ergebnis beeinflussen.

Außerdem basiert die Analyse auf dem britischen Markt mit einer begrenzten Produktauswahl von 41 Futtersorten. Ob sich die Ergebnisse eins zu eins auf den deutschen Markt übertragen lassen, ist noch nicht abschließend geklärt. Und der direkte Zugang zur vollständigen Originalstudie ist bislang eingeschränkt verfügbar, weshalb einige Details zur Methodik noch diskutiert werden.

Was wir trotzdem sicher sagen können: Die zugrunde liegenden Mechanismen sind wissenschaftlich plausibel und gut erforscht. Dass Hochtemperaturverarbeitung schädliche Verbindungen erzeugt, dass diese bei täglichem Verzehr chronische Entzündungsprozesse fördern können und dass schonende Zubereitung mehr Nährstoffe erhält – das sind keine Marketing-Behauptungen, sondern Erkenntnisse aus der Lebensmittelchemie und Ernährungswissenschaft, die auch in der Humanmedizin seit Jahren anerkannt sind.

Genau deshalb sorgt die Studie in der veterinärmedizinischen Fachwelt für so viel Gesprächsstoff. Sie liefert erstmals eine systematische, produktübergreifende Analyse, die den Zusammenhang zwischen Verarbeitungsgrad und Futterqualität bei Hunden konkret messbar macht. Und sie bestätigt, was viele Tierärzt:innen und Ernährungsberater:innen schon lange vermuten: Nicht nur was im Napf landet zählt – sondern auch, wie es dorthin gekommen ist.

Für dich als Hundehalter:in bedeutet das: Die Evidenz wächst, dass frisch zubereitetes Futter einen echten Unterschied für die Gesundheit und Lebenszeit deiner Fellnase machen kann. Weitere Langzeitstudien werden die genauen Zusammenhänge noch schärfer herausarbeiten. Aber schon jetzt gibt es gute Gründe, genauer hinzuschauen, was du deinem Hund jeden Tag in den Napf gibst – und wie dieses Futter hergestellt wurde.

Das unsichtbare Gift im Napf: Wie AGEs bei der Herstellung von Trockenfutter entstehen – und was sie im Hundekörper anrichten

Stell dir vor, du gibst deinem Hund jeden Tag liebevoll sein Futter – und ahnst nicht, dass sich darin unsichtbare Schadstoffe verstecken, die seinen Körper Tag für Tag ein kleines bisschen mehr belasten. Genau das passiert, wenn sogenannte Advanced Glycation End Products – kurz AGEs – im Spiel sind. Diese chemischen Verbindungen entstehen bei der industriellen Herstellung von Trockenfutter und können langfristig die Gesundheit deiner Fellnase massiv beeinträchtigen. Klingt beunruhigend? Ist es auch. Aber das Gute ist: Wenn du verstehst, was da passiert, kannst du aktiv etwas dagegen tun.

Maillard-Reaktion: Wenn Hitze aus Nährstoffen Schadstoffe macht

Um zu verstehen, was AGEs eigentlich sind, müssen wir einen kurzen Blick in die Chemie werfen – keine Sorge, wir halten es verständlich. AGEs entstehen durch die sogenannte Maillard-Reaktion. Das ist eine chemische Reaktion zwischen Zuckermolekülen und Proteinen (genauer gesagt: Aminosäuren), die durch Hitze ausgelöst wird. Du kennst das Ergebnis dieser Reaktion aus deiner eigenen Küche: Es ist die Bräunung, die entsteht, wenn du ein Steak anbrätst oder Brot toastest. Dieser Prozess sorgt für Farbe, Aroma und Geschmack – klingt erstmal harmlos, oder?

Das Problem beginnt, wenn diese Reaktion unter extremer Hitze und über längere Zeit abläuft. Dann entstehen nicht nur Aromastoffe, sondern auch sogenannte α-Dicarbonyl-Verbindungen – das sind chemische Zwischenprodukte, die als Vorläufer von AGEs gelten. Und aus diesen Vorläufern bilden sich schließlich die eigentlichen AGEs: stabile, schwer abbaubare Verbindungen, die sich im Gewebe anreichern und dort Schaden anrichten.

Bei der Herstellung von Trockenfutter kommt genau dieser Prozess in großem Stil zum Tragen. Das gängige Extrusionsverfahren arbeitet mit Temperaturen zwischen 120 und 180 °C – manche Verarbeitungsschritte erreichen sogar bis zu 250 °C. Bei diesen Temperaturen reagieren die natürlich im Futter enthaltenen Zucker mit den Proteinen der Fleisch- und Getreidezutaten. Das Ergebnis: Die Kroketten sehen appetitlich aus, riechen intensiv – aber sie sind regelrecht durchsetzt mit AGEs und deren Vorstufen. Was als wertvolles Protein und verfügbarer Nährstoff ins Futter hineingegangen ist, kommt als chemisch verändertes, teilweise schädliches Endprodukt wieder heraus.

Besonders betroffen ist dabei eine Aminosäure, die für deinen Hund absolut essenziell ist: Lysin. Lysin ist einer der wichtigsten Bausteine für Muskelaufbau, Immunfunktion und Gewebereparatur. Durch die Maillard-Reaktion wird Lysin jedoch chemisch so verändert, dass der Hundekörper es kaum noch aufnehmen und verwerten kann. Studien zeigen, dass frisch bei 90 °C schonend gegartes Futter mehr als doppelt so viel bioverfügbares Lysin liefert wie hochtemperaturverarbeitetes Trockenfutter. Das bedeutet: Selbst wenn auf der Verpackung ein hoher Proteingehalt steht, kommt bei deinem Hund möglicherweise nur ein Bruchteil davon tatsächlich an.

Chronische Entzündung als stiller Krankmacher – der RAGE-Signalweg erklärt

Jetzt wird es richtig spannend – und leider auch richtig ernst. Denn AGEs sind nicht einfach nur „leere" Schadstoffe, die der Körper einfach wieder ausscheidet. Sie docken im Hundekörper an ganz bestimmte Rezeptoren an, die sogenannten RAGE-Rezeptoren (Receptor for Advanced Glycation End Products). Diese Rezeptoren sitzen auf der Oberfläche vieler Zelltypen – in den Blutgefäßen, in den Nieren, in den Gelenken, im Immunsystem.

Wenn ein AGE-Molekül an einen RAGE-Rezeptor bindet, löst das eine Kettenreaktion im Zellinneren aus. Der wichtigste Akteur dabei ist ein Signalmolekül namens NF-κB (Nuclear Factor kappa B). NF-κB ist so etwas wie der Hauptschalter für Entzündungsreaktionen im Körper. Wird er aktiviert, schüttet die Zelle entzündungsfördernde Botenstoffe aus – sogenannte Zytokine und Chemokine. In einer akuten Situation, etwa bei einer Verletzung oder Infektion, ist das sinnvoll und lebensrettend. Doch wenn dieser Schalter dauerhaft umgelegt bleibt, entsteht etwas, das Wissenschaftler als chronische niedriggradige Entzündung bezeichnen.

Und genau das ist das Tückische: Diese Art von Entzündung verursacht keine offensichtlichen Symptome. Dein Hund hat kein Fieber, er hinkt nicht plötzlich, er erbricht nicht. Die Entzündung schwelt leise, unsichtbar, über Monate und Jahre hinweg – wie ein Feuer, das unter der Oberfläche glimmt. Doch die Schäden, die sie anrichtet, sind real und kumulativ.

Die Forschung zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen dieser chronischen Entzündung und einer ganzen Reihe von degenerativen Erkrankungen, die bei Hunden leider immer häufiger diagnostiziert werden:

  • Niereninsuffizienz: AGEs schädigen die feinen Filterstrukturen der Nieren und fördern Fibrose – das Nierengewebe vernarbt und verliert seine Funktion.
  • Arthrose: Die chronische Entzündung greift den Gelenkknorpel an und beschleunigt den Verschleiß – besonders bei älteren Hunden oder großen Rassen ein massives Problem.
  • Diabetes: AGEs beeinträchtigen die Insulinsensitivität und können die Bauchspeicheldrüse schädigen.
  • Krebs: Anhaltende Entzündungsprozesse gelten als einer der wichtigsten Risikofaktoren für die Entstehung von Tumoren.

All diese Erkrankungen haben eines gemeinsam: Sie entwickeln sich schleichend, über lange Zeiträume – und genau das macht die tägliche AGE-Zufuhr über das Futter so gefährlich.

Wie hoch ist die AGE-Belastung in handelsüblichem Trockenfutter wirklich?

Die Studie von Pignataro et al. (2024), veröffentlicht im Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, hat erstmals systematisch untersucht, wie stark verschiedene Futtertypen mit AGEs und deren Vorläufersubstanzen belastet sind. Die Forscher analysierten 41 kommerzielle Hundefutterprodukte – darunter Trockenfutter, Nassfutter, gefriergetrocknetes Futter und frisch gekochtes Futter – und verglichen die Konzentrationen von AGEs und α-Dicarbonyl-Verbindungen.

Das Ergebnis war eindeutig: Hochtemperaturverarbeitetes Trockenfutter wies die mit Abstand höchsten AGE-Werte auf. Frisch bei 90 °C gegartes Futter zeigte dagegen eine drastisch geringere Belastung – die AGE-Reduktion lag bei bis zu 120 Prozent im Vergleich zu konventionellem Trockenfutter. Gefriergetrocknetes und kaltgepresstes Futter schnitt zwar besser ab als klassisches Trockenfutter, konnte aber mit frisch zubereitetem Futter nicht mithalten.

Besonders überraschend – und für viele Hundehalter ernüchternd – war ein weiteres Ergebnis: Der Preis eines Futters sagte nichts über die AGE-Belastung aus. Teure Premium-Marken wiesen teilweise sogar höhere Schadstoffwerte auf als günstigere Produkte. Der entscheidende Faktor war nicht die Qualität der Rohzutaten oder das Marketing auf der Verpackung, sondern einzig und allein die Verarbeitungstemperatur. Das bedeutet: Auch wenn du bisher zum teuersten Trockenfutter im Regal gegriffen hast, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass dein Hund täglich eine relevante Dosis AGEs aufnimmt.

Und hier liegt ein weiterer kritischer Punkt, der Hunde besonders verletzlich macht: Die kumulative Exposition. Während wir Menschen im Laufe eines Tages ganz unterschiedliche Lebensmittel essen – mal roh, mal gekocht, mal verarbeitet –, bekommt ein Hund in der Regel dieselbe Futtersorte, Mahlzeit für Mahlzeit, Tag für Tag, oft über Jahre hinweg. Es gibt keine Abwechslung, keine Verdünnungseffekte, keine Pausen. Die AGE-Belastung addiert sich mit jeder einzelnen Portion. Über ein ganzes Hundeleben gerechnet, entsteht so eine enorme Gesamtdosis, die der Körper verarbeiten muss – und irgendwann nicht mehr kompensieren kann.

Die Pignataro-Studie liefert auch den Kontext für eine beeindruckende Korrelation: Hunde, die frisch zubereitetes Futter erhalten, leben im Durchschnitt 32 Monate länger als Artgenossen, die ausschließlich mit Industriefutter ernährt werden. Das sind fast drei zusätzliche Lebensjahre. Zwar handelt es sich um eine Korrelation – der endgültige kausale Beweis steht noch aus –, doch die biologischen Mechanismen über AGEs, RAGE-Rezeptoren und chronische Entzündungen liefern eine schlüssige und wissenschaftlich fundierte Erklärung dafür, warum schonend zubereitetes Futter einen so deutlichen Unterschied machen kann.

Was bedeutet das für dich und deinen Hund? Ganz einfach: Die Art, wie Futter verarbeitet wird, ist mindestens genauso wichtig wie die Zutatenliste. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe allein reicht nicht aus – du musst wissen, was bei der Herstellung mit diesen Zutaten passiert. Und wenn du deiner Fellnase die bestmögliche Grundlage für ein langes, gesundes Leben geben möchtest, führt kein Weg an schonend zubereitetem, frischem Futter vorbei. Denn echte Fürsorge beginnt nicht bei der Zutatenliste – sie beginnt bei der Frage, was davon tatsächlich im Körper deines Hundes ankommt.

Warum dein Hund aus Industriefutter weniger Nährstoffe zieht, als du denkst

Stell dir vor, du kaufst deinem Hund ein hochwertiges Trockenfutter. Auf der Verpackung steht alles, was das Herz begehrt: Protein, Vitamine, Mineralstoffe – alles in den richtigen Mengen. Klingt perfekt, oder? Das Problem ist nur: Was auf dem Etikett steht und was im Körper deines Hundes tatsächlich ankommt, sind zwei völlig verschiedene Dinge. Und genau diese Lücke unterschätzen die meisten Hundehalter massiv.

Bioverfügbarkeit vs. Deklaration: Die Lücke, die kaum jemand kennt

Der Begriff Bioverfügbarkeit beschreibt, wie viel von einem Nährstoff der Körper deines Hundes tatsächlich aufnehmen und verwerten kann – nicht, wie viel theoretisch im Futter enthalten ist. Und hier liegt das zentrale Problem von hochtemperaturverarbeitetem Futter.

Bei der Herstellung von Trockenfutter kommt ein Verfahren namens Extrusion zum Einsatz. Dabei wird die Futtermasse unter hohem Druck und bei Temperaturen von bis zu 250 °C durch eine Düse gepresst. Das Ergebnis sind die typischen Kroketten, die lange haltbar und einfach zu lagern sind. Praktisch für uns – aber problematisch für die Nährstoffe.

Denn bei diesen extremen Temperaturen passiert etwas auf molekularer Ebene: Proteine verändern ihre Struktur, Vitamine werden abgebaut, Enzyme verlieren ihre Funktion. Vergleich es mit Gemüse, das du stundenlang kochst – am Ende ist es zwar noch da, aber der Nährwert hat sich drastisch reduziert. Genauso verhält es sich mit dem Futter deines Hundes. Die deklarierten Werte auf der Verpackung spiegeln den Gehalt vor oder während der Verarbeitung wider, nicht das, was nach der Hitzebehandlung noch biologisch nutzbar ist.

Eine Untersuchung von Brociek et al. zeigt das Ausmaß des Problems eindrücklich: Von 31 getesteten kommerziellen Hundefuttersorten – ob fleisch- oder pflanzenbasiert – erfüllte keine einzige alle Nährstoffstandards der FEDIAF-Richtlinien vollständig. Abweichungen fanden sich bei Aminosäuren, B-Vitaminen, Jod und weiteren essentiellen Nährstoffen. Dein Hund frisst also scheinbar vollwertiges Futter, hat aber möglicherweise trotzdem Versorgungslücken.

Lysin – die Aminosäure, die bei Hochtemperatur als Erste verloren geht

Unter allen Nährstoffen, die bei der Extrusion leiden, sticht einer besonders hervor: Lysin. Diese essentielle Aminosäure ist für deinen Hund unverzichtbar – sie spielt eine Schlüsselrolle beim Muskelaufbau, bei der Immunfunktion, bei der Kalziumaufnahme und bei der Kollagenbildung. „Essentiell" bedeutet dabei: Der Körper deines Hundes kann Lysin nicht selbst herstellen, es muss vollständig über die Nahrung aufgenommen werden.

Das Tückische an Lysin ist seine besondere chemische Empfindlichkeit gegenüber Hitze. Bei hohen Temperaturen reagiert Lysin mit Zuckermolekülen im Futter – die sogenannte Maillard-Reaktion. Dabei entstehen nicht nur die typische Bräunung und der Röstgeschmack von Kroketten, sondern auch chemisch veränderte Lysin-Verbindungen, die der Hundekörper schlicht nicht mehr verwerten kann. Das Lysin ist zwar noch „messbar" im Futter, aber biologisch nutzlos geworden.

Die Studie von Pignataro et al. (2024), veröffentlicht im Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, liefert dazu beeindruckende Zahlen: Bei der Analyse von 41 kommerziellen Hundefutterprodukten zeigte sich, dass frisch gekochtes Futter bei schonenden 90 °C mehr als doppelt so viel bioverfügbares Lysin enthält wie extrudiertes Trockenfutter. Doppelt so viel – bei einer Aminosäure, die ohnehin als limitierender Faktor in der Hundeernährung gilt. Das bedeutet: Selbst wenn dein Hund genug Protein bekommt, kann ein Lysinmangel die gesamte Proteinverwertung ausbremsen, weil der Körper Eiweiß immer nur so gut nutzen kann wie seine schwächste essentielle Aminosäure verfügbar ist.

Aber Lysin ist nicht der einzige Verlierer der Hochtemperaturverarbeitung. Auch andere hitzeempfindliche Nährstoffe werden bei der Extrusion erheblich geschädigt:

  • B-Vitamine (insbesondere B1, B6 und Folsäure) sind extrem wärmeempfindlich und werden bei Temperaturen über 100 °C zunehmend zerstört. Sie sind essenziell für den Energiestoffwechsel, die Nervenfunktion und die Blutbildung deines Hundes.
  • Omega-3-Fettsäuren oxidieren bei Hitze und verlieren dadurch ihre entzündungshemmende Wirkung – ausgerechnet die Fettsäuren, die für gesunde Haut, glänzendes Fell und die Gelenkgesundheit so wichtig wären.
  • Natürliche Enzyme, die die Verdauung unterstützen, werden bei Temperaturen über 42–50 °C vollständig denaturiert und sind in extrudiertem Futter praktisch nicht mehr vorhanden.

All das geschieht, während die Nährwerttabelle auf der Verpackung weiterhin „vollständig und ausgewogen" verspricht.

Können zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe den Schaden ausgleichen?

Die Futtermittelindustrie kennt das Problem natürlich – und begegnet ihm mit einer vermeintlich logischen Lösung: synthetische Nährstoffzusätze. Nach der Extrusion werden Vitamine, Mineralstoffe und Aminosäuren wieder hinzugefügt, um die durch die Verarbeitung entstandenen Verluste auszugleichen. Auf dem Papier sieht das Futter dann wieder vollwertig aus.

Doch so einfach ist es leider nicht. Synthetische Nährstoffe werden vom Körper deines Hundes nicht immer gleich gut aufgenommen wie ihre natürlichen Pendants. Natürliche Nährstoffe kommen in Lebensmitteln in einer komplexen Matrix vor – eingebettet in Begleitstoffe, Co-Faktoren und Enzyme, die ihre Aufnahme und Verwertung unterstützen. Synthetische Zusätze sind isolierte Einzelsubstanzen, denen dieser natürliche Kontext fehlt.

Hinzu kommt: Die Maillard-Reaktion, die bei der Extrusion stattfindet, erzeugt nicht nur unverwertbares Lysin, sondern auch Maillard-Derivate und α-Dicarbonyl-Verbindungen – Vorläufer der bereits erwähnten Advanced Glycation End Products (AGEs). Diese Substanzen kann man nicht einfach durch die Zugabe von Vitaminen neutralisieren. Sie sind ein eigenständiges Problem, das durch die Verarbeitungsmethode entsteht und durch Nährstoffzusätze schlicht nicht adressiert wird.

Und dann ist da noch der Faktor Langzeitwirkung: Wenn dein Hund jeden Tag, bei jeder Mahlzeit, über Jahre hinweg Futter mit reduzierter Bioverfügbarkeit und erhöhter AGE-Belastung frisst, summieren sich selbst kleine Defizite. Anders als wir Menschen, die abwechslungsreich essen, bekommt dein Hund in der Regel dasselbe Futter – Tag für Tag, Mahlzeit für Mahlzeit. Es gibt keinen Ausgleich durch andere Lebensmittel. Jede Schwäche im Futter wird zum Dauerzustand.

Die Folgen einer solchen chronischen suboptimalen Versorgung zeigen sich oft nicht sofort, sondern schleichend: ein stumpfer werdendes Fell, wiederkehrende Verdauungsprobleme, nachlassende Vitalität, eine höhere Anfälligkeit für Infekte oder Entzündungen. Viele Hundehalter schreiben diese Veränderungen dem Alter zu – dabei könnte die Ernährung eine entscheidende Rolle spielen.

Genau deshalb setzt eine wachsende Zahl von Ernährungswissenschaftlern und Tierärzt:innen auf schonende Zubereitung bei niedrigen Temperaturen. Garung bei rund 90 °C reicht aus, um Bakterien zuverlässig abzutöten und Zutaten sicher zu machen – ohne die Nährstoffe zu zerstören, ohne AGEs in problematischen Mengen zu erzeugen und ohne die Bioverfügbarkeit von Lysin und anderen essentiellen Aminosäuren zu halbieren. Es ist der Unterschied zwischen einem Nährstoffversprechen auf dem Etikett und echten Nährstoffen, die im Körper deines Hundes auch wirklich ankommen. 💛

90 °C statt 160 °C: Warum schonendes Garen den entscheidenden Unterschied macht

Stell dir vor, du legst ein Stück frisches Hähnchen in eine Pfanne – einmal bei sanfter Hitze, einmal bei voller Power, bis es fast schwarz ist. Intuitiv weißt du: Das verkohlte Stück hat weniger Gutes zu bieten. Genau dieses Prinzip entscheidet auch darüber, was im Napf deines Hundes landet – nur dass die Temperaturunterschiede in der Futtermittelindustrie noch drastischer ausfallen, als die meisten Hundehalter ahnen.

Die Temperaturkurve: Ab wann Nährstoffe zerfallen und AGEs explodieren

Bei der industriellen Herstellung von Trockenfutter kommt ein Verfahren namens Extrusion zum Einsatz. Dabei werden die Zutaten unter hohem Druck und bei Temperaturen von teils über 160 °C, in manchen Prozessschritten sogar bis zu 250 °C, verarbeitet. Was dabei passiert, ist chemisch gut erforscht: Ab etwa 100 °C setzt die sogenannte Maillard-Reaktion verstärkt ein – eine Verbindung zwischen Zucker und Aminosäuren, die nicht nur für Bräunung und Röstaromen sorgt, sondern auch sogenannte Advanced Glycation End Products (AGEs) hervorbringt. Diese Verbindungen sind nicht einfach nur „unschön". Sie sind biologisch aktiv und können im Körper deines Hundes chronische Entzündungsprozesse anstoßen, wenn sie Tag für Tag, Mahlzeit für Mahlzeit aufgenommen werden.

Die Studie von Pignataro et al. (2024), veröffentlicht im Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, hat genau diesen Zusammenhang untersucht – und zwar anhand von 41 kommerziellen Hundefutterprodukten unterschiedlicher Kategorien. Das Ergebnis ist eindeutig: Frisch zubereitetes Futter, das bei rund 90 °C schonend gegart wurde, enthält drastisch weniger AGEs und deren Vorläufersubstanzen (sogenannte α-Dicarbonyl-Verbindungen) als extrudiertes Trockenfutter. Die Reduktion liegt bei bis zu 120 Prozent im Vergleich zu hochtemperaturverarbeiteten Produkten. Gleichzeitig bleibt bei 90 °C die natürliche Struktur der Proteine weitgehend intakt – und das hat direkte Konsequenzen für eine der wichtigsten Aminosäuren überhaupt.

Lysin ist essenziell für deinen Hund. Sein Körper kann es nicht selbst herstellen, es muss über die Nahrung kommen. Lysin spielt eine zentrale Rolle beim Muskelaufbau, bei der Immunfunktion und bei der Kalziumaufnahme. Das Problem: Lysin ist besonders hitzeempfindlich. Bei den extremen Temperaturen der Extrusion wird es chemisch so verändert, dass der Hundekörper es kaum noch verwerten kann – es ist zwar auf dem Etikett deklariert, aber biologisch praktisch wertlos. Frisch gekochtes Futter bei 90 °C liefert laut der Studie mehr als doppelt so viel bioverfügbares Lysin. Das bedeutet: Dein Hund bekommt nicht nur Nährstoffe auf dem Papier, sondern Nährstoffe, die tatsächlich ankommen.

90 °C ist dabei kein willkürlich gewählter Wert, sondern ein echter Sweet Spot. Die Temperatur reicht aus, um pathogene Bakterien wie Salmonellen oder Listerien zuverlässig abzutöten und das Futter sicher zu machen. Gleichzeitig bleibt sie niedrig genug, um die massive AGE-Bildung und den Nährstoffabbau zu vermeiden, die bei höheren Temperaturen einsetzen. Es ist der schmale Grat zwischen Lebensmittelsicherheit und Nährstofferhalt – und genau dort liegt der Unterschied zwischen Futter, das satt macht, und Futter, das wirklich nährt.

Weniger Entzündung, bessere Verdauung – was Fütterungsstudien zeigen

Was bedeutet die geringere AGE-Belastung konkret für den Körper deines Hundes? AGEs binden im Organismus an spezifische Rezeptoren (RAGE-Rezeptoren) und lösen dort eine Kaskade entzündungsfördernder Signale aus. Das betrifft insbesondere Entzündungsmarker wie CRP (C-reaktives Protein) und Interleukin-6 (IL-6), die bei chronischer Aktivierung mit einer ganzen Reihe von Erkrankungen in Verbindung stehen – von Gelenkproblemen und Hautreaktionen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und beschleunigter Zellalterung.

Nun ist ein einzelner Keks mit Röstaromen kein Problem. Aber Hunde essen nicht abwechslungsreich wie wir Menschen. Sie bekommen in der Regel ein und dasselbe Futter – jeden Tag, jede Mahlzeit, oft über Jahre hinweg. Diese kumulative Belastung macht den Unterschied. Was bei einem gelegentlichen Snack harmlos wäre, wird bei täglicher Wiederholung zu einer stillen, chronischen Entzündungsquelle, die den Körper deines Hundes dauerhaft unter Stress setzt.

Die Ergebnisse von Fütterungsstudien und Halter-Befragungen untermauern das eindrucksvoll: 95 Prozent der Hundehalter, die auf frisch zubereitetes Futter umgestellt haben, berichten von sichtbaren Verbesserungen – bessere Verdauung, weniger Blähungen und Durchfall, schöneres Fell, mehr Energie. Das sind keine vagen Gefühle, sondern Veränderungen, die sich im Alltag deutlich zeigen. Und die Korrelation mit der Lebenserwartung, die Pignataro et al. beschreiben – im Schnitt 32 Monate mehr Lebenszeit bei frisch gefütterten Hunden – lässt sich vor diesem Hintergrund nachvollziehen: Weniger chronische Entzündung bedeutet weniger Verschleiß, weniger Krankheit, mehr gesunde Jahre.

Wichtig dabei: Diese 32 Monate sind eine Korrelation, kein kausaler Beweis im strengen Sinne. Die Forschung steht hier noch am Anfang, und Langzeitstudien, die den AGE-Effekt isoliert über ein ganzes Hundeleben verfolgen, fehlen bislang. Aber die biochemischen Mechanismen sind klar, die Laborergebnisse sind eindeutig, und die Praxiserfahrungen tausender Hundehalter sprechen eine deutliche Sprache. Es wäre unwissenschaftlich, diese Zusammenhänge zu ignorieren.

Frisch gekocht ist nicht gleich frisch gekocht: Worauf es bei der Zubereitung ankommt

Jetzt denkst du vielleicht: „Dann weiche ich einfach auf Nassfutter aus der Dose aus – das ist doch auch feucht und weniger verarbeitet." Leider ist es nicht ganz so einfach. Industrielles Nassfutter wird zwar anders hergestellt als Trockenfutter, durchläuft aber ebenfalls Sterilisationsprozesse bei hohen Temperaturen, die AGEs erzeugen können. Die Studie zeigt klar: Nicht jede Alternative zum Trockenfutter ist automatisch besser. Kaltgepresstes oder gefriergetrocknetes Futter schneidet zwar besser ab als extrudiertes Trockenfutter, kommt aber an die Werte von frisch bei 90 °C zubereitetem Futter nicht heran.

Auch der Preis ist kein verlässlicher Indikator. Ein teures Premium-Trockenfutter kann höhere AGE-Werte aufweisen als ein günstiges frisch gekochtes Menü. Was zählt, ist nicht das Marketing auf der Verpackung, sondern der Verarbeitungsprozess dahinter. Die entscheidende Frage lautet nicht „Wie viel kostet das Futter?", sondern „Bei welcher Temperatur und wie lange wurde es verarbeitet?"

Für deine tägliche Fütterungsentscheidung bedeutet das ganz praktisch:

  • Achte auf die Zubereitungstemperatur. Futter, das nachweislich bei niedrigen Temperaturen (um 90 °C) schonend gegart wird, bietet die beste Kombination aus Sicherheit und Nährstofferhalt.
  • Hinterfrage „Premium"-Versprechen. Hochwertige Zutaten bringen wenig, wenn sie bei 200 °C ihre biologische Wertigkeit verlieren.
  • Stelle langsam um. Wenn du von Trockenfutter auf frisch gekochtes Futter wechselst, gib dem Verdauungssystem deines Hundes ein paar Tage Zeit. Die allermeisten Hunde reagieren positiv – aber eine schrittweise Umstellung macht den Übergang sanfter.
  • Denke langfristig. Jede einzelne Mahlzeit ist ein kleiner Baustein. Weniger AGEs heute bedeuten weniger stille Entzündungen morgen – und potenziell viele gemeinsame Monate mehr mit deiner Fellnase.

Am Ende geht es nicht um Perfektion, sondern um eine bewusste Entscheidung. Du musst kein Ernährungswissenschaftler sein, um zu verstehen: Was schonend zubereitet wird, behält mehr von dem, was deinem Hund guttut. Und was deinem Hund guttut, zeigt sich – im Fell, in der Energie, in der Verdauung und in der Zeit, die ihr gemeinsam habt. 💛

Was diese Erkenntnisse für dich und deinen Hund konkret bedeuten

Die Studienlage ist spannend – aber was heißt das jetzt ganz praktisch für euren Alltag? Lass uns die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfassen, realistisch einordnen und dir konkrete Orientierung geben, damit du eine fundierte Entscheidung für deinen Hund treffen kannst.

Drei Hebel, ein Ziel: So wirkt frische Ernährung auf die Langzeitgesundheit

Im Kern zeigt die Forschung von Pignataro et al. (2024) drei zentrale Mechanismen, die frisch zubereitetes Futter von hochverarbeitetem Industriefutter unterscheiden – und die alle auf dasselbe Ziel einzahlen: ein längeres, gesünderes Hundeleben.

Erstens: Deutlich weniger hitzebedingte Schadstoffe. Wenn Futter bei Temperaturen von 200 °C oder mehr verarbeitet wird, entstehen durch die sogenannte Maillard-Reaktion chemische Rückstände – Advanced Glycation End Products, kurz AGEs. Diese Verbindungen sind nicht akut giftig, aber bei täglichem Verzehr über Jahre hinweg problematisch. Sie fördern stille, chronische Entzündungsprozesse im Körper deines Hundes und werden mit Erkrankungen wie Niereninsuffizienz, Arthritis und vorzeitiger Zellalterung in Verbindung gebracht. Frisch gekochtes Futter, das schonend bei rund 90 °C zubereitet wird, enthält bis zu 120 % weniger dieser Verbindungen. Das klingt nach einer trockenen Zahl, bedeutet aber im Alltag: Dein Hund nimmt mit jeder Mahlzeit deutlich weniger entzündungsfördernde Substanzen auf – Mahlzeit für Mahlzeit, Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Zweitens: Eine spürbar bessere Nährstoffverfügbarkeit. Besonders eindrucksvoll ist der Unterschied beim Lysin, einer essentiellen Aminosäure, die dein Hund nicht selbst herstellen kann. Lysin ist entscheidend für den Muskelaufbau, ein starkes Immunsystem und gesundes Wachstum. Bei extremer Hitzeeinwirkung wird Lysin chemisch so verändert, dass der Hundekörper es kaum noch verwerten kann – es ist zwar auf der Verpackung deklariert, kommt aber nicht dort an, wo es gebraucht wird. Frisch zubereitetes Futter liefert mehr als doppelt so viel bioverfügbares Lysin wie vergleichbares Trocken- oder Dosenfutter. Und Lysin ist nur ein Beispiel: Auch andere hitzeempfindliche Nährstoffe, Vitamine und Aminosäuren profitieren von der schonenderen Zubereitung.

Drittens: Weniger chronische Entzündungen im gesamten Organismus. Die Kombination aus reduzierter AGE-Belastung und besserer Nährstoffversorgung wirkt sich auf den gesamten Körper aus. Weniger Entzündungsmarker bedeuten weniger oxidativen Stress, eine entlastete Leber und Niere sowie ein Immunsystem, das sich auf die wirklich wichtigen Aufgaben konzentrieren kann. Dazu kommt ein positiver Effekt auf die Darmgesundheit: Frisches Futter fördert die Vielfalt gesunder Darmbakterien, was die Verdauung verbessert und das Immunsystem zusätzlich stärkt. Nicht umsonst berichten 95 % der Halter, die auf frisch zubereitetes Futter umgestellt haben, von sichtbaren Verbesserungen – vor allem bei Verdauungsproblemen und Hautthemen.

Zusammengenommen ergibt sich daraus ein Bild, das die beobachtete Korrelation von 32 Monaten längerer Lebenserwartung biologisch plausibel macht. Weniger Schadstoffe, mehr verwertbare Nährstoffe, weniger stille Entzündungen – diese drei Hebel greifen ineinander und können über ein ganzes Hundeleben hinweg einen erheblichen Unterschied machen.

Aber – und das ist wichtig – Ernährung ist nicht alles. So beeindruckend die Ergebnisse sind: Dein Hund ist ein komplexes Wesen, und seine Gesundheit hängt von vielen Faktoren ab. Die genetische Veranlagung spielt eine Rolle, ebenso wie regelmäßige Bewegung, mentale Auslastung, Stresslevel und natürlich die tierärztliche Vorsorge. Ernährung ist ein kraftvoller Hebel – vielleicht sogar einer der kraftvollsten, weil du ihn jeden Tag in der Hand hast. Aber sie ersetzt weder den jährlichen Gesundheitscheck noch eine altersgerechte Bewegung oder die liebevolle Aufmerksamkeit, die du deinem Hund ohnehin schenkst. Sieh frische Ernährung als einen wichtigen Baustein in einem ganzheitlichen Konzept für ein langes, glückliches Hundeleben.

Der Umstieg in der Praxis: Was du beachten solltest

Wenn du jetzt denkst „Okay, ich möchte meinem Hund etwas Besseres bieten" – dann ist das ein wundervoller erster Schritt. Damit der Umstieg auf frisch zubereitetes Futter wirklich gelingt, gibt es ein paar Dinge, die du im Blick behalten solltest.

Nicht jedes frische Futter ist automatisch gut. Entscheidend ist, dass die Rezeptur den individuellen Nährstoffbedarf deines Hundes vollständig abdeckt. Ein selbst zusammengestelltes Menü aus Hühnchen und Reis mag frisch sein, kann aber gravierende Nährstofflücken aufweisen – bei Mineralstoffen, Spurenelementen oder eben essentiellen Aminosäuren. Achte darauf, dass das Futter von Ernährungswissenschaftlern oder Tierärzten entwickelt wurde, dass die Rezepturen bedarfsdeckend formuliert sind und dass die Zutatenqualität stimmt. Die Studie zeigt übrigens auch: Der Preis allein sagt wenig über die Qualität aus. Teure Premiumprodukte aus dem Trockenfutter-Regal können eine höhere AGE-Belastung aufweisen als ein deutlich günstigeres, schonend zubereitetes Frischfutter. Worauf es ankommt, ist die Art der Verarbeitung – nicht das Preisschild.

Gib dem Umstieg Zeit. Auch wenn die Vorfreude groß ist: Stell das Futter bitte nicht von heute auf morgen komplett um. Der Verdauungstrakt deines Hundes braucht eine Anpassungsphase, besonders wenn er jahrelang an Trockenfutter gewöhnt war. Mische über sieben bis zehn Tage hinweg schrittweise immer mehr frisches Futter unter die bisherige Ration, bis du vollständig umgestellt hast. So gibst du den Darmbakterien Zeit, sich auf die neue Nahrung einzustellen, und vermeidest anfängliche Verdauungsbeschwerden. Bei Hunden mit bekannten Vorerkrankungen, Allergien oder besonderen Ernährungsbedürfnissen empfehlen wir dir, den Umstieg gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt zu planen. Das gibt dir Sicherheit und deinem Hund den bestmöglichen Start.

Ein ehrlicher Blick auf die Studienlage. Wir finden Transparenz wichtig, deshalb sei gesagt: Die 32 Monate längere Lebenserwartung sind eine Korrelation aus Halterberichten – kein kausal bewiesener Effekt aus einer kontrollierten Langzeitstudie. Das schmälert die Ergebnisse nicht, aber es ordnet sie ein. Die biologischen Mechanismen dahinter – weniger AGEs, mehr bioverfügbare Nährstoffe, reduzierte Entzündungsmarker – sind wissenschaftlich gut belegt und machen den beobachteten Unterschied plausibel. Gleichzeitig basiert die Untersuchung auf 41 Produkten des britischen Marktes, und es braucht weitere Studien, um die Ergebnisse auf andere Märkte und Futtertypen zu übertragen. Die Forschung bewegt sich in eine spannende Richtung: Aktuell wird intensiv an den Langzeiteffekten von AGEs auf den Hundeorganismus gearbeitet, an klinischen Studien zu Entzündungsmarkern und an der Rolle der Darmflora als Vermittler zwischen Ernährung und Gesundheit. Wir bleiben für dich dran und teilen neue Erkenntnisse, sobald sie vorliegen.

Was du heute schon tun kannst: Informiere dich, stelle Fragen und triff eine bewusste Entscheidung für die Ernährung deines Hundes. Wenn du tiefer einsteigen willst, findest du im Howly Bowly Blog weitere Artikel rund um Fütterung, Gesundheit und Alltag mit Hund. Denn egal, wie die Forschung sich weiterentwickelt – frische, schonend zubereitete Zutaten in bedarfsgerechter Zusammensetzung sind schon jetzt eine der besten Investitionen in die Gesundheit deiner Fellnase. 🐾

Häufige Fragen zum Thema

Was genau sind AGEs und warum sind sie für meinen Hund gefährlich?

AGEs (Advanced Glycation End Products) sind chemische Verbindungen, die entstehen, wenn Zucker und Proteine bei hohen Temperaturen miteinander reagieren – etwa bei der Herstellung von Trockenfutter durch Extrusion bei über 160 °C. Im Körper deines Hundes docken sie an sogenannte RAGE-Rezeptoren an und lösen chronische, stille Entzündungsprozesse aus, die über Jahre hinweg Organe wie Nieren, Gelenke und das Immunsystem schädigen können. Da dein Hund in der Regel täglich dasselbe Futter bekommt, summiert sich die AGE-Belastung ohne Ausgleich – anders als bei uns Menschen, die abwechslungsreich essen.

Stimmt es wirklich, dass Hunde durch Frischfutter fast 3 Jahre länger leben können?

Die Pignataro-Studie (2024) zeigt eine Korrelation von 32 Monaten längerer Lebenserwartung bei frisch gefütterten Hunden – das ist jedoch kein kausal bewiesener Effekt, sondern ein statistischer Zusammenhang. Es ist möglich, dass Halter, die frisch füttern, insgesamt gesundheitsbewusster mit ihren Hunden umgehen, was das Ergebnis beeinflusst. Die biologischen Mechanismen dahinter – weniger AGEs, mehr bioverfügbare Nährstoffe und reduzierte Entzündungen – sind allerdings wissenschaftlich gut belegt und machen den beobachteten Unterschied plausibel.

Reicht es, auf ein teures Premium-Trockenfutter umzusteigen, um meinen Hund besser zu ernähren?

Leider nein. Die Studie zeigt, dass der Preis eines Futters nichts über die AGE-Belastung aussagt – teure Premium-Marken wiesen teilweise sogar höhere Schadstoffwerte auf als günstigere Produkte. Der entscheidende Faktor ist nicht die Zutatenliste oder das Marketing, sondern die Verarbeitungstemperatur. Solange ein Trockenfutter durch Extrusion bei hohen Temperaturen hergestellt wird, entstehen unabhängig vom Preis problematische Mengen an AGEs und Nährstoffverlusten.

Wie stelle ich das Futter meines Hundes am besten auf Frischfutter um, ohne Verdauungsprobleme zu riskieren?

Mische über einen Zeitraum von sieben bis zehn Tagen schrittweise immer mehr frisches Futter unter die bisherige Ration, bis du vollständig umgestellt hast. So können sich die Darmbakterien deines Hundes langsam an die neue Nahrung anpassen, und du vermeidest anfängliche Beschwerden wie Durchfall oder Blähungen. Bei Hunden mit Vorerkrankungen, Allergien oder besonderen Ernährungsbedürfnissen solltest du den Umstieg gemeinsam mit deiner Tierärztin oder deinem Tierarzt planen.

Ist Nassfutter aus der Dose eine gute Alternative zu Trockenfutter, wenn ich kein Frischfutter füttern kann?

Nassfutter ist nicht automatisch besser als Trockenfutter, da es ebenfalls Sterilisationsprozesse bei hohen Temperaturen durchläuft, bei denen AGEs entstehen können. Auch kaltgepresstes oder gefriergetrocknetes Futter schneidet zwar besser ab als extrudiertes Trockenfutter, erreicht aber nicht die Werte von frisch bei 90 °C zubereitetem Futter. Entscheidend ist letztlich immer die Verarbeitungstemperatur und nicht die Darreichungsform des Futters.

Warum steht auf der Verpackung meines Trockenfutters ein hoher Proteingehalt, wenn mein Hund davon gar nicht alles verwerten kann?

Die deklarierten Nährwerte auf der Verpackung geben den Gehalt vor oder während der Verarbeitung an – nicht das, was nach der Hitzebehandlung noch biologisch nutzbar ist. Besonders die essenzielle Aminosäure Lysin wird durch die Maillard-Reaktion bei hohen Temperaturen chemisch so verändert, dass der Hundekörper sie kaum noch aufnehmen kann. Frisch gekochtes Futter bei 90 °C liefert laut der Studie mehr als doppelt so viel bioverfügbares Lysin. Es besteht also eine erhebliche Lücke zwischen dem, was das Etikett verspricht, und dem, was tatsächlich im Körper deines Hundes ankommt.

Kann ich einfach selbst für meinen Hund kochen, oder muss es spezielles Frischfutter sein?

Selbst kochen ist grundsätzlich möglich, birgt aber das Risiko gravierender Nährstofflücken, wenn die Rezeptur nicht fachkundig zusammengestellt ist. Ein Menü aus Hühnchen und Reis allein deckt beispielsweise den Bedarf an Mineralstoffen, Spurenelementen und essenziellen Aminosäuren nicht ab. Achte darauf, dass Rezepturen von Ernährungswissenschaftlern oder Tierärzten entwickelt und bedarfsdeckend formuliert sind, damit dein Hund alle Nährstoffe bekommt, die er braucht.

Das könnte Dir auch gefallen